Einsatzberichte
Tout bagay anfom!
oder Alles wird Gut!
 Von links Sven, Oliver, Rüdiger, Andreas und Christian
Ein Weltreiseflug ins Einsatzgebiet
Am Abend des 13. Januars lese ich das erst Mal online über das Erdbeben in Haiti und es dauert nicht lange bis das Telefon klingelt. "Hast du alles gepackt, kannst du los?" fragt mich Jörg, Leiter der SEEWA Nord. "Ja klar, habe ich alles gepackt deshalb bin ich doch in der SEEWA." - "Dann bis morgen Früh um 5 in Hamburg am Flughafen."
Wieder mal reichlich zu Organisieren bis zum Abflug... Aber man hat ja schon etwas Routine.
In Hamburg treffe ich auf Sven, Christian, Rüdiger und Oliver. Zusammen machen wir uns auf den Weg nach Paris. Nachdem uns die Botschaft in Paris mit Kaffee und Croissants versorgt hat, treffen wir auf französische Zivilschutz Einheiten, mit denen wir zusammen weiter nach Haiti fliegen sollen.
Erstmal gehts jedoch nach Marseille auf einen milltärischen Flughafen. Dort nehmen wir noch weitere Einheiten auf und besteigen den Flieger nach 2 1/2 Std. Aufenthalt.
Nach einem fast 8-stündigen Flug landen wir auf Martinique, da der Flughafen auf Haiti nicht angefolgen werden kann. Eine tolle Unterkunft verspricht man uns...
und wir sind nicht das letztemal da
Nach stundenlangem Warten auf dem Flugfeld gehts endlich los. Ca. 2 Stunden später erreichen wir Port-au-Prince, müssen aber kreisen und auf die Freigabe zur Landung warten. Die US-Marines haben inzwischen die Kontrolle auf dem Flughafen übernommen. Nach 1 1/2 Stunden gibt es noch immer kein Gate zur Landung und wir müssen über Santo Domingo (Dom. Rep.) zum Auftanken zurück nach Martinique. Wir sind alle sehr enttäuscht...
Am nächsten Tag wird die Stimmung zuversichtlicher, da ein Zeitfenster zur Landung in PaP zugesichert wird. Aber es soll noch bis weit in die Nacht dauern bis wir endlich wieder starten.
Endlich in Port-au-Prince (PaP) auf Haiti
Früh Morgens landen wir auf dem Flughafen. Der provisorische Tower besteht aus zwei Quads, zwei Laptops und einigen Marines, die zwischen Landebahn und Runway auf der Wiese ihr Lager errichtet haben.
Wir stehen draussen an den Gates, da das Innere nicht sicher ist und warten auf unser Gepäck, während uns das erste Nachbeben ganz still und leise begrüßt.
Wir müssen noch mehre Stunden zwischen landenden und startenden Flugzeugen ausharren, bis wir endlich zu unserem Camp abgeholt werden.
Im Camp gehts auch gleich los
Thomas holt uns vom Flughafen ab. Nach einer herzlichen Begrüßung müssen wir uns durch wartende Menschen und den für uns chaotischen Verkehr schlängeln. Im Camp angekommen gehts auch gleich los. Es müssen mehrere LKW's mit Material, die über Land aus Santo Domingo mit Francois und Markus gekommen sind, von Hand entladen werden. Unser einziges Hilfsmittel ist dabei die Ladebordwand am LKW.
Und in der Wärme ist das kein Zuckerschlecken... Immer wieder unterbrechen wir die Arbeit um uns zum Trinken zu zwingen.
Schlafzelte (Mastertent) und Anlage aufbauen
Beim Ausladen stellen wir schon die Kisten für die erste Anlage zusammen und beginnen paralell mit dem Aufbau. Währenddessen kümmert sich Hans-Jürgen um die Rohwasserquelle, einen Hydranten für Brauchwasser des örtlichen Versorgers CAMEP und eine Versorgungsleitung. Nachdem alles betriebsbereit ist, kümmern wir uns um unser Camp. In den nächsten Tagen bauen wir das Duschzelt und die zweite Anlage auf. Wir erweitern und verbessern immer wieder das Camp mit dem Equipment das nachgeliefert wird.    Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
ARD-Team im SEEWA-Camp
Aufgrund der Nachbeben fürchten sich viele in festen Gebäuden zu schlafen. Das ARD-Team ist dankbar bei uns im Camp ihre Zelte aufschlagen zu dürfen. Für uns ist es auch eine willkommene Abwechslung. Wir erfahren gegenseitig über die Arbeit des Anderen und mit welchen Schwierigkeiten bzw. Hindernissen jeder zurechtkommen muss. Auch Stephan Schlentrich, den wir als symphatischen und kameradschaftlichen Menschen kennenlernen, fällt es nicht leicht das Erlebte zu verarbeiten. Auch wir, das SEEWA-Team, setzen uns jeden Abend zusammen und erzählen über das Erlebte des Tages. Es sind aber nicht nur die negativen Dinge die uns beschäftigen...  Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Erste Einkaufstour auf dem örtlichen Marche Downtown PaP
Mit Thomas und einem local driver machen wir uns auf den Weg um unser Essen, das bis jetzt aus EPA und R-T-E (Ready-to-Eat) besteht, etwas aufzupeppen. Auf dem Weg dorthin sehen wir viele zerstörte Häuser, sowie Camps mit Obdachlosen. Trotz der Katastrophe erscheint uns die Nahrungsmittelversorgung in der Stadt wieder normal angelaufen zu sein. Der Markt ist voll von Händlern die ihre Waren anbieten. Auch wir wagen uns in das Getümmel und können für das Team einkaufen. Es macht Spaß um die Ware zu feilschen. Obwohl es sich hart anhört, muss muss man sich den ortsüblichen Preisen anpassen, um es anderen Teams später nicht schwerer zu machen Ware zu bekommen. Seid froh das noch keine Geruchsfotos gibt ;-)      Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Immer wieder gelingt es uns ...
... unsere Tagesleistung zu toppen. Wir glauben mit einer Tagesleistung von über 200.000 Liter an die Grenze gekommen zu sein. Aber im 2. Team können wir auch das mit einer Tagesleistung von 326.000 Litern mit zwei TWA 6 übertreffen.
Zur Belohnung haben Thomas und ich uns für den Abend ein Drei-Gänge-Menu ausgedacht, dass wir in unserer "Cantina Curiosa" aus Tüten-Tomaten-Creme-Suppe, verfeinert mit Garlick Hot Spice, gebratener Wurst an Reis mit Tomate und einem Obstsalat mit Mango, Ananas, Bananen, Äpfeln und Kukosnuss, zaubern.
Damit wir uns im Camp zurechtfinden haben wir die wichtigsten Einrichtungen beschildert. :-)             Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Aufbruch in neue Welten
Jan, Thomas, Hans-Jürgen, ein Localdriver und ich machen uns nach zwei Wochen auf den Weg nach Leogane um das Camp für den zweiten Standort vorzubereiten. Während Hans-Jürgen und ich uns auf den Weg ins Warehouse der WFP (World Food Programm) machen, haben Jan und Thomas noch andere Aufgaben zu erledigen. Im Warehouse scheint das Chaos groß. Aber wir schaffen es unter den Kisten die Wichtigsten herauszusuchen, um wenigstens das Camp halbwegs funktionstüchtig für die erwarteten Kameraden zu verladen. Mit zwei Trucks der UN machen wir uns nach Stunden endlich auf. Bernd erwartet uns schon am Ortseingang. Unter Hilfe von Locals werden die Trucks entladen und wir beginnen unverzüglich mit dem Aufbau des Camps, damit alle, auch das neue Team, eine Schlaffstätte bekommen. Die nächsten Tage kommen weitere Trucks und liefern das Equipment, welches im Camp zwischengelagert und sortiert wird.   Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Anlagenaufbau die 3.
Das Erkundungsteam hat einen Platz am Ufer eines Flußes als Anlagenstandort auserkoren. Canadische Pioniere haben uns den Platz planiert. Dadurch haben wir gute Bedingungen die Anlage aufzubauen. Unter neugierigen Augen der Einheimischen bauen wir, schon in Übung, in kürzester Zeit die 3. Anlage auf. Auch ein Fernsehteam ist dabei.
Im Camp werden die Kokusnüsse von den Palmen geholt, weil wir nicht den ganzen Tag mit Helm rumlaufen wollen. Die Ernte findet unter allen einen reißenden Absatz. Wann hat man schon Gelegenheit frische Kokusnussmilch zu trinken und das labberige Fruchtfleisch zu genießen?
Es dauert auch nicht lange bis sich, für unsere Verhältnisse, große Vogelspinnen über unser Camp hermachen. Aber es versteht sich von selbst, das Kleidung und Schuhe vor der Benutzung gründlich untersucht werden. Oder wer zu bequem dazu ist, nimmt alles mit in den "Dom".  Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Zurück in PaP begrüßen wir das 2. Team und nehmen auch Abschied
Das Zweite Team ist angekommen. Es sind Björn, Nicolas, Olaf, Guntram und Gudrun. Das erste Team, bis auf Thomas und meine Wenigkeit, nehmen Abschied und freuen sich auf die leider zu frühe Rückreise mit dem Bus. Als der Fahrer nach ca. 1 Stunde Fahrt mitbekommt das es in die Dom. Rep. geht, hat der Bus merkwürdige Geräusche und muss unbedingt in die Werkstatt. Die Kameraden kommen zurück und Francois kümmert sich um Ersatz.   Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Die nächsten Tage verlaufen wie die Anderen, bis auf ...
Schwindelig von unseren vorgelegten Tagesleistungen, kommt das zweite Team doch zügig an diese Leistungen heran und kann es doch noch schaffen mit 326.000 Litern die bisher größte Tagesleistung zu liefern. Unseren Wasserkiosk haben wir nun komplett nach draußen verlegt, was rege angenommen wird. Den Menschen ist die Freude über das gute Wasser nicht nur anzusehen. Herzliche Umarmungen, sowie Zurufe "God bless you" berühren uns. Es spricht sich in der Stadt herum, das es bei uns das beste Wasser gibt. Wir erleben das die Menschen Wasser, das sie sich schon woanders besorgt haben, auskippen um Unseres mit nach Hause zu nehmen.
Am Morgen des 10. Februars können wir Olaf mit einer Geburtstagstorte überraschen, die wir den Abend vorher heimlich hergerichtet haben.   Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Spielzeug für große Jungs ;-)
Auch in Deutschland denkt man an uns. Wir werden überrascht von zwei 15kW Aggregaten, einer Waschmaschine und einem Hauswasserwerk. Man glaubt gar nicht wie sehr sich auch Männer über eine Waschmaschine freuen können! Es dauert nicht lange bis Diese ihren Dienst aufnehmen kann. GinGin, unsere Wäscherin, ist Anfangs nicht so begeistert, da ihr nun neue Aufgaben zugewiesen werden müssen.
Die Aggregate stellten für uns die größte Herausforderung dar. Angeliefert auf einem Abschleppwagen, wurden diese, so wie sie aufgeladen waren, auf der Wiese abgeladen. Das eine Aggregat nach deutschem Empfinden nicht rechtwinkelig genug zum Kantstein und das andere mit den Anschlüßen zur Straße. Da standen wir nun. Wie bekommen wir ein 625kg Aggregat auf einer etwas matschigen Wiese um 180° gedreht? Zum Glück war die REHA-Ausstattung mit im Einsatz. Dort fanden wir einen Kettenzug und eine Büffelwinde. Wir wären keine echten THW'ler wenn wir keine Lösung gefunden hätten. Unter Zuhilfenahme einiger Bretter und zwei Stahlröhren, konnten wir gemeinsam das Aggregat, unseren Wünschen entsprechend, drehen.    Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
The day before Valentine's Day
Jeder von uns denkt mal an Zuhause. Und alle daheim denken an uns. Wir halten Kontakt mit SMS und E-mail, um uns gegenseitig die Ungewissheit zu nehmen wie es dem Anderen geht. Ab und zu wird auch mal telefoniert, um mal wieder die Stimmen zu hören. Morgen ist aber ein ganz besonderer Tag! Ich entschließe mich blumige Grüße zu senden. Dank Internet ist das heute kein Problem mehr: Nach dem Motto "WOW! her to win her heart" bestelle ich kurzerhand einen Blumenstrauß bei FLEUROP (gibt bestimmt auch andere). Thomas ist von der Idee so begeistert, dass er sich gleich anschließt. Und nächten Tag, dem 14. Februar, ist Valentinstag und die Überrachung, fast 8.000 km entfernt, perfekt.
We are the valentines!
Betriebsfest bei der SEEWA
Unsere Locals arbeiten sehr gut und engagieren sich sehr. In Thomas und mir reift der Wunsch nach einem gemeinsamen Essen mit Ihnen. Nachdem wir Björn davon erzählen, können wir auch alle anderen davon begeistern, auch unsere Locals. Nicolas geht zusammen mit der Freundin von Jimmy (Jimmy managed zusammen mit Josef die Water-Trucks) einkaufen. Es soll ein typisch haitianisches Gericht geben! Abends bereiten wir gemeinsam das Essen vor. Alle haben viel Spass am zubereiten. Wir bringen den Haitianer ostfriesisches Würfeln bei und uns läßt man, mit einem geschlossenen Auge, versuchen einen Verschluß von einer Flasche zu schnippen. Dimitri unser Multisprachentalent hält vor dem Essen ein bewegendes Tischgebet. Er Dankt für die Hilfe und bittet darum das es allen bald wieder gut geht.
Zufrieden nach friesed Potato-Chips, friesed Banana-Chips (aus Kochbananen, schmecken wie Kartoffeln), friesed Chicken, fresh Vegetables und einem Krautsalat der very very very hot war, klingt der Abend gemütlich aus.   Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Einsatzgebiet auf GoogleMaps und GoogleEarth
Unsere Überraschung war groß, als wir erfuhren das unser Camp in der ersten Ausbaustufe auf GoogleEarth zu sehen ist. Die Koordinaten sind N 18"34' 27,30 W 72"18' 12,12. Jetzt konnte man zeigen wo man genau ist und wie unser Camp aussieht.     Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Time to say GoodBye
Der Sonntag vor unserer Abreise ist unser letzter Arbeitstag. Viele der Einheimischen wissen das wir nun nach Hause fliegen und sind traurig. Ich verabschiede mich auf meine Weise von Ihnen und signiere Ihre Wassereimer, -kanister und was sonst noch so als Wasserbehälter herhalten muss mit den kreolischen Worten "Tout bagay anfom! Orevwa Andreas" (Alles wird Gut! Auf Wiedersehen Andreas).
Die Haitianer sind so begeistert, das ich sogar große Behälter auf den Fahrzeugen signieren soll. Für mich war es ein schöner bewegender Abschied.
Abends kommen noch Monika und Dyne in Ihrem schönsten Outfit und wir sitzen noch eine Weile zusammen und unterhalten uns.   Fotostrecke starten: Klicke auf ein Bild
Begrüßung in Hamburg, im OV und Berlin
Nach einer kleinen Rundreise über Santo Domingo, Philladelphia, Frankfurt nach Hamburg werden Björn, Sven und ich von unseren Kameraden am Flughafen herzlichst begrüßt.
Nächsten Abend läßt sich mein Ortsverband es sich nicht nehmem, mich offiziell in der OVU zu begrüßen. Alle sind gespannt auf meine Berichte und haben viele Fragen.
Das war nur ein kleiner Zwischenstopp auf dem Weg nach Berlin, wo uns der Innenminister Thomas de Maizière und die Staatsministerin Cornelia Pieper empfangen. Aber davon gibt es ja schon einen Bericht.
Text: Andreas Häcker
Bilder: viele THW-Helfer    Fotostrecke starten: Klicke auf ein BildLinks zu diesem Artikel
» Bericht aus den Lübecker Nachrichten vom 14.03.2010
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Autor: karibik-rolf
Titel: Tout bagay anfom!
Erstellt: 01.03.2010
Letzte Änderung: 14.03.2010
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| Karibik-rolf |
| OV Ratzeburg |
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